Harsum

Turmblasen und

Neujahrsbegrüßung

Harsum – alle Ereignisse im Jahr 2022

Bleiben Sie auf dem aktuellen Stand. Erfahren Sie hier alles über die Veranstaltungen und lesen Sie Berichterstattungen aus dem Jahr 2022.

01.01.2022

Harsum hat einen hohen regionalen Stellenwert

Gelungener Auftakt zum 1000-jährigen Ortsjubiläum/Die Festredner Ortsbürgermeister Reinhard Wirries, Pfarrer Dr. Roland Baule und Ortsheimatpfleger Siegfried Mehwald überzeugten.

Am frühen Abend des Neujahrstages begann vor dem Kirchturm der Pfarrkirche St. Cäcilia der Jubiläumsauftakt zur 1000-Jahr-Feier von Harsum. Ortsbürgermeister Reinhard Wirries, Pfarrer Dr. Roland Baule und Ortsheimatpfleger Siegfried Mehwald richteten Grußworte an die Bevölkerung. Mitglieder des Feuerwehr-Musikzugs umrahmten diese eindrucksvolle Eröffnungsfeier musikalisch. Die Ansprachen sind akustisch vom Kirchturm aus übertragen worden.

Inhaltlich waren sich die Redner in ihren kurzen, überzeugenden Ausführungen einig, dass die Welt nicht zur Ruhe komme. Eine Verdichtung der Krisen, wie wir sie aktuell erleben müssen, habe es lange nicht mehr gegeben. Eine weltweite Pandemie, Flut- und Hochwasser, beendete Luftbrücken und Machtverschiebungen bereiten große Sorge.

Das Dorf Harsum habe in seiner tausendjährigen Geschichte seit Bischof Bernwards Zeiten bis heute noch einen besonders hohen regionalen Stellenwert mit einem einzigartigen Facettenreichtum von Kirche, Handwerk, Landwirtschaft und Sport. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr mit einer Fülle an geplanten Aktivitäten stehe der Ort wegen der anhaltenden Pandemie-Vorschriften vor harten Herausforderungen.

„Freuen auch Sie sich mit uns auf das Jubiläumsjahr 2022 und seien Sie zuversichtlich, dass sich die Beeinträchtigungen durch die Corona-Pandemie in eine Endemie wandeln und wir unser so lange vermisstes Miteinander wieder zurückgewinnen“, sagte Ortsbürgermeister Wirries gleich zum Auftakt der Feierstunde. Gleichzeitig bat er die Vereine, Verbände, Organisationen sowie alle Einwohner, sich aktiv an den Jubiläumsveranstaltungen im Laufe des Jahres zu beteiligen.

Auch Heimatpfleger Siegfried Mehwald wandte sich an die Harsumer und bat sie, kräftig mitzumachen. „Dieser heutige Auftakt ist bereits ein gelungener Start ins Jubiläumsjahr und ein gutes Zeichen für die Zukunft unseres Dorfes.“ Heimatpflege im Jahre 2022 bedeute historisch Rückschau zu halten und bei der Gestaltung einer aktiven Dorfgemeinschaft mitzuwirken, sagte er. Ferner wies er darauf hin, dass der Kulturweg mit den derzeitigen Infotafeln im Kernort und im Umfeld noch erweitert und offiziell eingeweiht wird. 24 Akteure vom Feuerwehr-Musikzug unter der Leitung von Andreas Ernst gaben dieser kulturellen Veranstaltung mit ihren Darbietungen einen würdigen Rahmen. Nach Georg Friedrich Händels Oratorium „Tochter Zion freue dich“ erklang Ludwig van Beethovens „Ode an die Freude“, die Europahymne.

Vor dem Portal der Sankt-Cäcilien-Kirche mit dem 65 Meter hohen Kirchturm und gegenüber des früheren Gutsgeländes – vor einem Jahrtausend im „Besitztum Bischof Bernwards“ – richtete Harsums neuer Pfarrer Dr. Roland Baule zum Finale dieser Feierstunde aussagekräftige Worte an die Einwohner. Inhaltlich standen bei dem Seelsorger treffende Beispiele im Fokus. Er nannte auch Beispiele, wie sich die Menschen in der heutigen schweren Zeit verbinden könnten.

Entsprechend der aktuellen Corona-Vorschriften hielt sich die Bevölkerung im weiten Umfeld des Kirchen-Areals an die Abstandsregeln. Vom Kirchturm hinaus ist diese Auftakt-Veranstaltung akustisch übertragen worden. Zum Abschluss spielte der Musikzug „Großer Gott, wir loben dich“, einst ein römisch-katholisches, ist es heute auch als das ökumenische Kirchenlied weithin bekannt.

Text und Bilder: Gerhard Schütte

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Bildunterschriften:

Harsum 1000-Jahr-Feier Eröffnung Neujahr
Vor dem Sankt-Cäcilia Portal startete Harsum am Neujahrstagabend die 1000-Jahr-Feiern. Vom Kirchturm aus sind die Reden akustisch übertragen worden.

Harsum Siegfried Mehwald. Pfarrer Dr. Roland Baule, Reinhard Wirries
Die Festredner Ortsheimatpfleger Siegfried Mehwald, Pfarrer Dr. Roland Baule und Ortsbürgermeister Reinhard Wirries (von links) beeindruckten die Zuhörer. Sie hoben hervor, dass das Dorf in seiner tausendjährigen Geschichte seit Bischof Bernward bis heute einen besonders hohen regionalen Stellenwert mit einem einzigartigen Facettenreichtum von Kirche, Handwerk, Landwirtschaft und Sport habe.

01.01.2022

Zum Jahreswechsel: Harsum feiert 1000.
Geburtstag mit Auftakt am Neujahrstag
„Besitztum Bischof Bernwards“ – Ein Ort mit Geschichte

Pünktlich zum Jubiläumsauftakt „1000 Jahre Harsum“ weisen Werbebanner an den Ortseingängen auf die Festlichkeiten hin. „Ein Ort mit Geschichte“ heißt es in großen Lettern. Anno 1022 wurde Harsum erstmals in einer Schenkungsurkunde von Bischof Bernward an das Hildesheimer Kloster Sankt Michaelis erwähnt.

Am Neujahrstag sprachen Ortsbürgermeister Reinhard Wirries, Pfarrer Dr. Roland Baule und Ortsheimatpfleger Siegfried Mehwald vor der St.-Cäcilia-Pfarrkirche Grußworte an die Bevölkerung und eröffneten damit das Jubiläumsjahr 2022.
Das frühere Harsumer Gutsgelände zählte vor rund einem Jahrtausend als „Besitztum Bischof Bernwards mit herrschaftlichem Haus“. Den Beweis dafür, dass es bereits vorher hier schon Ansiedlungen gab, belegen die zahlreichen frühzeitlichen Funde aus dem Zeitraum vor einigen tausend Jahren. 1985 hob Johannes Schaper am Tannenkamp ein recht umfangreiches Scherbenmaterial von Tongefäßen und einem Steinbeil aus. Nachgrabungen brachten dann weitere Schätze aus der Zeit der Bandkeramiker an das Tageslicht. Archäologen, darunter der Braunschweiger Bezirksarchäologe Dr. Michael Geschwinde, sprachen von einem Glücksfall für Harsum.

Auch bei der Erschließung des Baugebietes Ährenkamp wurden von Archäologen Scherben aus der Kultur der Linienbandkeramiker gesichert und Pfostenlöcher von 11 Langhäusern aus der frühen Steinzeit entdeckt. Harsum ist also nicht nur 1000 Jahre alt, sondern seit rund 8000 Jahren besiedelt.

Seit dem Kreisheimattag 1993 mit 7500 Gästen und der Einweihung des Gedenksteins am Thie zur Erinnerung an die Schlacht bei Dinklar anno 1367 sowie der nachfolgenden 975-Jahr-Feier mit noch mehr Besuchern entwickelte sich im Dorf eine Kultur-Euphorie. Zu den Aktivitäten zählten auch die Gründungen des Heimat- und Kulturvereins sowie der Heinrich-Freitag-Stiftung.

Reiheleute-Schützenscheibe „Vivat Harsumer Männer“

Über Jahrhunderte lang bestimmten hier die Reiheleute über Gemeindeangelegenheiten im Gemeindehaus am Thie. Dazu gehörten Pflichten für die Kosten des Feuerlöschwesens und das Pfarrhaus, Abgaben für Flachs- und Getreidezehnten sowie vom Reihe- oder Rauchhuhn, je eines pro Schornstein im Haus.

Auch heute noch schießen 110 Reiheleute, die im Besitz von 144 örtlichen Reihestellen sind, ihre eigene Schützenscheibe „Vivat Harsumer Männer“ ein jedes Jahr zur Erinnerung an die Schlacht bei Dinklar am 3. September 1367 aus. Als einzige Gemeinde im Stift Hildesheim konnte dieser Ort seinen Pfarrer selbst wählen. In einer Urkunde von 1588 heißt es, „dass die Männer zu Harsum seit alters her das Recht haben, ihren Pfarrer selbst zu bestimmen“. Dieses Wahlrecht soll der Bischof Gerhard nach Überlieferungen für die Tapferkeit auf dem Streitacker zwischen Kemme und Dinklar erteilt haben.

Harzer Käse und Verblend- und Radialsteine mit Stückzahlen in Millionenhöhe

Das Dorf hat ein großes Stück Geschichte auf den Gebieten Kirche, Handwerk, Landwirtschaft und Sport aufzuweisen. Vor allem im Laufe der letzten 150 Jahre registrierte Harsum eine Fülle an Besonderheiten, denn nirgendwo in Deutschland gab es in einem anderen Ort dieser Größenordnung 43 Käsebäcker-Betriebe, die den begehrten „Harsumer Käse“ herstellten und teils sogar mit Lieferungen die Nachbarländer und die USA versorgten.

In der Blütezeit der Tonwerke Sänger & Co. mit Gleisanschlüssen an der Bahnstrecke Hildesheim–Lehrte sind bedeutende Bauwerke im In- und Ausland mit den damals bekannten klinkerharten „Harsumer Verblend- und Radialsteinen“ mit Stückzahlen in Millionenhöhe errichtet worden. Dazu gehörten der Berliner Eispalast, das Hallenschwimmbad Hamburg-Altona, die Holsten-Brauerei, Gasanstalt Hamburg, das Rheinisch-Westfälische E-Werk in Essen, die Glasfabrik Helder/Niederlande, das frühere Empfangsgebäude des Hildesheimer Bahnhofs, die Harsumer Zuckerfabrik und das Krankenhaus-Klostergebäude an der Kaiserstraße in Harsum.

Sternstunden im Tischtennissport auf nationaler und internationaler Ebene registrierte der TTC Harsum als einer der ältesten deutschen Vereine mit mehreren Weltmeistertiteln im Seniorenbereich, Europa- und Deutschen Meistertiteln sowie Begegnungen gegen die weltbesten Nationalteams im Saalbau Brönnecke am Morgenstern.

Zu den größeren 1000-Jahr-Attraktionen gehören im Jubiläumsjahr 2022 das „Heereslager“ am 13. und 14. Mai im Stadion und auf dem angrenzenden Gelände der Grundschule, das dreitägige Zeltfest (9. bis 11. September) sowie der abschließende Kreisheimattag am 8. Oktober auf dem Hofgelände Machtens und Steinmann mit Thieplatz.

Text und Bilder: Gerhard Schütte

Bild Auszug Harsumer Männer Dinklar 1367
Historisches Dokument von Laienmaler Franz Liekefedt (1837/Wöhle–1918/Harsum): Abmarsch der Harsumer nach Dinklar Anno 1367, Hildesheimern zu Hilfe. Vor dem Dreifaltigkeitskreuz (links) kniet der Priester und erfleht den Segen für die in den Kampf ziehenden Männer. Die stehen wohlgeordnet in Gruppen, weißgekleidet, mit langen Stangen, zum Abmarsch bereit. Die erste Gruppe trägt Hämmer, Anspielung auf den Schmied von Harsum, die anderen ihre Sensen als Waffe. Neben dem Primissariats-Gebäude (links) steht die alte Harsumer Pfarrkirche vor dem vernichtenden Brand von 1883 im Mittelpunkt dieses großen Ölgemäldes.

Muttergottes Standbild von 1726
Johannes Heinrich Cordes, Präfekt von Steuerwald, hat dieses barocke Standbild der Gottesmutter 1726 auf einem Sockel am Waldrand in Harsum errichten lassen. 1857 ließ Pfarrer Anton Paasch über dem Standbild eine Kapelle bauen.

Harsum Exkursion ehem. Bischöfliches Tafelgut, später Domäne
Exkursion des Kreisheimatbundes in Harsum mit dem ehemaligen Ortsheimatpfleger Bernhard Blecker (rechts) auf dem einstigen Eigentum Bischof Bernwards, der das gesamte Areal dem Michaeliskloster schenkte. Vorn sind wuchtige Bruchstein-Kolosse aus frühen Generationen zu sehen. Nach wechselvollen Zeiten über Jahrhunderte ging die spätere Domäne zuletzt an den Pächter Karl Philipps über, der diese Hofstelle 1938 kaufte.

Harsum historischer Brunnen 1747 Behrenswinkel
Alter Brunnen im Behrenswinkel 1 mit der Inschrift: Harm Lehnen, Christine Flepen anno 1747